Wie Neuseeland sich entwaffnet

Nach den Anschlägen in Christchurch, bei denen 51 Menschen starben, wurden die Waffengesetze in Neuseeland verschärft. Der Attentäter hatte auch Kontakt zum österreichischen Identitären-Chef Martin Sellner.

Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern
Die neuseeländische Premierministerin Jacinda ArdernFoto: Alexandros Michailidis/Shutterstock

Der 15. März 2019 hat Neuseeland verändert: Denn an diesem Tag hielten Terror und Hass Einzug in den Inselstaat, der stets als tolerant und friedliebend gegolten hatte. Umso entsetzter war man weltweit, als auf Facebook ein Video auftauchte, das einen wild um sich schießenden Mann in Militär-Outfit zeigte, der gezielt auf Muslime schoss. Das Unfassbare: Der rechtsextremistische Attentäter filmte sich mit einer Helmkamera dabei, wie er in der Stadt Christchurch auf Menschenjagd ging. 51 Menschen verloren bei den Anschlägen auf zwei Moscheen während des muslimischen Freitagsgebets ihr Leben, 50 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Das jüngste Todesopfer war gerade einmal drei Jahre alt.

Nicht schuldig?

Der aus Australien stammende Attentäter wurde noch während des Anschlags von der Polizei gefasst und verhaftet und wartet nun in einem Hochsicherheitsgefängnis auf seinen Prozess, der ihm im Juni 2020 gemacht werden soll. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine lebenslange Haft. Der mutmaßliche Mörder von 51 Menschen, der vor seiner Tat rassistische und rechtsextremistische Parolen via E-Mail verschickt und ins Internet gestellt hatte, hat bei einer gerichtlichen Anhörung jedoch auf nicht schuldig plädiert. Dem Beispiel von Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern folgend, wird der Name des Attentäters hier nicht genannt: „Er ist ein Terrorist, ein Krimineller, ein Extremist. Aber er wird namenlos sein“, sagte Ardern nach den Anschlägen.

Verbindung nach Österreich

Martin Sellner, der Chef der rechtsextremen Identitären, kannte den rechtsextremen Australier indes beim Namen. Der Wiener stand rund ein Jahr vor den Anschlägen mit dem Christchurch-Attentäter in Mailkontakt: Unter anderem dankte Sellner dem heute Inhaftierten für eine Spende in der Höhe von 1500 Euro. Später schrieb er ihm: „Wenn du jemals nach Wien kommst, müssen wir auf einen Kaffee oder ein Bier gehen.“ Daraufhin gab es für den Identitären-Chef eine Gegeneinladung nach Neuseeland. Zu einem Treffen sei es laut Sellner dann aber nie gekommen – und das, obwohl der spätere Attentäter tatsächlich zu Gast in Österreich war. Unter anderem besuchte er Wien, Salzburg und Innsbruck.

Neue Gesetze

Aber zurück nach Neuseeland, wo nach den Anschlägen von Christchurch die Waffengesetze drastisch geändert wurden: Bereits im April wurden die meisten automatischen und halbautomatischen Waffen verboten. Neuseeländer, die ihre Waffen einst legal erworben hatten, bekamen die Möglichkeit, sich diese vom Staat zurückkaufen zu lassen. Binnen fünf Monaten wurden auf diesem Weg rund 12 000 Waffen abgegeben – Neuseeland ließ sich diese Aktion bislang knapp 22 Millionen Neuseeland-Dollar (13 Millionen Euro) kosten. Insgesamt stehen für die Rückkauf-Aktion, die international auf ein positives Echo stieß, 168 Millionen Neuseeland-Dollar (97 Millionen Euro) zur Verfügung. Viele Waffengegner loben diese Idee als Beispiel für andere Länder wie zum Beispiel die USA, wo kein Tag vergeht, an dem nicht jemand durch Waffengewalt sein Leben verliert.