Klimaschutz geht durch den Magen

Was wir essen, beeinflusst nicht nur unsere Gesundheit und Leistungsfähigkeit, sondern auch die der Erde: Luft, Wasser, Boden und das Klima. Wir gehen mit euch einkaufen und suchen klimafreundliche Lebensmittel.

Ernährung: Wie ernähre ich mich klimafreundlich?Videoquelle: NDR Doku/YouTube

Hereinspaziert in Bioshop, Hofladen oder Supermarkt! Auf unserer Einkaufsliste steht ein Punkt: Lebensmittel, die der Erde gut tun.

Gesund ist nicht gleich gesund

Los geht es mit der Obst- und Gemüsetheke. Der Kopfsalat kommt uns schon mal nicht in die Tüte. Schließlich wächst er im Winter ganz bestimmt nicht im Freien! Er kommt aus dem Gewächshaus – das muss beheizt werden und verbraucht jede Menge Energie, die in Form von CO2 in die Atmosphäre geht. Das wollen wir vermeiden. Statt Kopfsalat nehmen wir also Vogerlsalat – der wächst nämlich auch im Winter auf den Feldern und schmeckt mindestens genauso gut.

Lange Freude am Apfel

Weiter zum Obst: Trauben sind schon etwas Gutes. Wenn man allerdings etwas genauer hinsieht, wird klar: Die kommen ja aus Südafrika! Sie sind also mit Flugzeug und Lkw weit gereist, bis sie in unserem Supermarkt gelandet sind. Klimafreundlich ist das nicht. Stattdessen schnappen wir uns also ein paar Äpfel aus Österreich. Sie wurden zwar bereits im Herbst geerntet, aber bei der richtigen Lagerung schmecken sie bis in den Frühling knackig frisch.

Dazu ein paar Tipps: Äpfel sollten möglichst kühl und dunkel gelagert werden – in einer Kammer, im Keller oder auch im Gemüsefach des Kühlschranks. Obacht: Da Äpfel das Pflanzenhormon Ethylen abgeben, das andere Früchte schneller reifen und sogar faulen lässt, sollten sie am besten separat gelagert werden. Wenn ihr noch alte Plastiksackerl zu Hause habt, gebt die Äpfel zur Lagerung hinein – damit bleiben sie länger saftig.

Keine weiten Reisen

Insgesamt ist es ratsam, zu heimischen Bioprodukten zu greifen und exotischem Obst wie Ananas, Avocado und Co. die weite Reise zu ersparen. Die Bio-Landwirtschaft benötigt um bis zu zwei Drittel weniger fossile Energieträger als die klassische Landwirtschaft! Mit dem Griff zu ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln vermeidet ihr übrigens auch umweltschädliche Monokulturen und große Mengen an Pestiziden, die nicht nur uns schaden, sondern auch der biologischen Artenvielfalt. Wer sich für Lebensmittel aus Österreich entscheidet, hilft mit, lange Transportwege zu vermeiden. Außerdem müssen Früchte die natürlicherweise bei uns wachsen, weniger behandelt werden.

Nein zu Tiefgekühltem

Am Tiefkühlregal gehen wir schnur­stracks vorbei. Diese Produkte wurden schon vor ihrer Ankunft im Supermarkt in großen Kühlhäusern gelagert. Diese verbrauchen jede Menge Energie und produzieren CO2 ohne Ende – sind also nichts für uns. Auch andere Fertigprodukte werden unter sehr viel Energieaufwand produziert – also am besten Finger weg! Das selbst gemachte Püree mit heimischen Bio-Erdäpfeln schmeckt schließlich auch besser, oder?

Einmal Flexitarier, bitte 

Lust, mal etwas Neues auszuprobieren? Es gibt wunderbar vielfältige Alternativen zu abgepacktem Supermarktfleisch. Wie wäre es zum Beispiel mit Kichererbsen-Curry (zum Rezept) oder Tofu-Burger (zum Rezept)? Anstelle der Bratwurst könnte auch mal ein Spieß aus Räuchertofu, Zucchini, Paprika und Champignons auf dem Grill landen. Übrigens: Hülsenfrüchte enthalten wie Fleisch viel Eiweiß und sind, richtig zubereitet, mindestens genauso lecker. Vielleicht schaffen wir es ja, Flexitarierinnen zu werden? Das sind Teilzeitvegetarier, die weniger Fleisch und Wurst essen. Um ein Kilo Fleisch zu erzeugen, ist nämlich sehr viel Energie in Form von kostbaren Futtermitteln notwendig. Ganz abgesehen von dem oft grausamen Tod, der den Tieren in Massentierhaltung droht, bevor ihr Fleisch auf unseren Tellern landet.

Süßes oder Saures

Zum Schluss kommt die süße Versuchung: Schokolade! Was kann daran schon schlecht sein? Schließlich sind ihre positiven Auswirkungen auf Gesundheit, Stimmung und Hormone doch bekannt! Viele Schokoladenprodukte beinhalten allerdings Palmöl. Und das ist leider gar nicht gut für die Umwelt – die riesigen Palmölplantagen in Südostasien haben Auswirkungen auf Klima, Menschen und Tiere. Aber auch der billige Kakaoanbau ist bedenklich für viele Bauern und Kinder – die unter schwierigen Bedingungen die Kakaobohnen ernten. Ganz verzichten müsst ihr aber nicht auf die Schokolade: Das Fair-Trade-Gütesiegel und das EU-Bio-Logo sind hilfreiche Hinweise für nachhaltige Produkte. Es gibt übrigens auch ein Gütezeichen für fair gehandeltes Palmöl, das ohne die Rodung von Regenwäldern produziert wird.

Links

Das Österreichische Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus hat einen Ratgeber für nachhaltiges Einkaufen zusammengestellt, in dem alle Bereiche des täglichen Bedarfs ausführlich beschrieben sind. HIER geht's zu der Webseite.

Die Umweltberatung hat eine nützliche Broschüre zum Thema „Klimafreundlich Einkaufen“ zusammengestellt: HIER

Der WWF-Fleischratgeber, Ernährungstipps und Kochrezepte für klimafreundliche Gerichte sind auf fleisch-ist-uns-nicht-wurscht.at zu finden.

Was heißt ...?

fossile Energieträger: Energiequellen für fossile Energie. Diese wird aus Brennstoffen gewonnen, die in geologischer Vorzeit aus Abbauprodukten von toten Pflanzen und Tieren entstanden sind. Dazu gehören Braunkohle, Steinkohle, Torf, Erdgas und Erdöl. Man nennt sie auch fossile Brennstoffe.
Pestizid: Schädlingsbekämpfungsmittel

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