Faschingsbräuche rund um den Globus

Andere Länder, andere Sitten: Im Februar hat der Fasching bzw. Karneval Hochsaison. TOPIC hat für euch die ungewöhnlichsten Bräuche der närrischen Zeit zusammengetragen.

Orangenschlacht in Ivrea

Foto: Illpaxphotomatic/Shutterstock.com

Mitte Februar ist in der norditalienischen Stadt Ivrea, in der knapp 25 000 Menschen leben, die Hölle los. Bis zu 100 000 Besucher schieben sich in dieser Zeit durch die Gassen und Plätze der piemontesischen Karnevals-Hochburg, wo es sehr vitaminreich zugeht. Und gar nicht einmal ungefährlich! Grund dafür ist die „Battaglia delle Arance“ – was übersetzt „Orangenschlacht“ bedeutet. Mehrere Teams bewerfen sich dann mit bis zu 500 Tonnen sizilianischer Orangen und „schmücken“ die Stadt mit orangem Matsch, der süßlich duftet. Die „Orangenschlacht“ steht bereits seit dem 19. Jahrhundert im Kalender und geht auf eine legendäre Begebenheit zurück, die sich angeblich im Mittelalter zugetragen hat: Damals soll eine schöne Müllerstochter von einem garstigen Adeligen bedrängt worden sein. Als der die Finger nicht von ihr lassen wollte, soll sie ihm ratzfatz den Kopf abgeschnitten haben – und diesen stolz dem Volk gezeigt haben. Daraufhin vertrieben die einfachen Bewohner die grausamen Herrscher, indem sie ihnen Orangen an den Kopf warfen. Köpfe rollen mittlerweile längst keine mehr, den Kopf einziehen sollte man aber dennoch. Es tut nämlich ganz schön weh, wenn ein oranges Wurfgeschoß mit einem Affenzahn darauf landet. 

Stöckelschuhlauf in Puerto de la Cruz

Foto: Desiree Martin/AFP/picturedesk.com

Ein gleich halsbrecherischer wie lustiger Brauch lockt im Fasching auf der zu Spanien gehörenden Kanarischen Insel Teneriffa die Massen auf die Straße: Im Städtchen Puerto de la Cruz findet dann nämlich ein Stöckelschuhlauf statt, an dem ausschließlich Männer teilnehmen dürfen. Auf hohen Hacken düsen die als Frauen verkleideten Kerle über Hindernisse – und stolpern dabei nicht selten über die eigenen Beine. Den Zuschauern gefällt die „Mascarita Ponte Tacón“, die von Sambaklängen begleitet wird, über alle Maßen. Längst hat das ungewöhnliche High-Heels-Rennen auch andernorts Nachahmer gefunden: So wird mittlerweile unter anderem auch in New York und Chicago lustvoll überknöchelt.

Schlammparty in Port of Spain

Foto: Perris Tumbao/Shutterstock.com

In Port of Spain, der Hauptstadt des karibischen Inselstaats Trinidad und Tobago, wird traditionellerweise „ J'ouvert“ gefeiert. Darunter versteht man ein Karnevalsfest für ärmere Menschen, die kein Geld haben, um sich teure mit Federn oder Pailletten geschmückte Kostüme schneidern zu lassen. Wer beim „J'ouvert“ mitmischt, sollte die gute Garderobe tunlichst im Schrank lassen. Die Feiernden ziehen die Zuschauer nämlich gerne in die Menge und „schminken“ sie mit Schlamm, Farbe, Schokolade oder Öl. Eine richtige Sauerei also – aber eine, die auch Spaß macht. Am Ende der ausgelassenen Feierlichkeiten steht eine ausgiebige Dusche. Viele Hoteliers haben mittlerweile übrigens Außenduschen vor ihren Unterkünften angebracht: Die hartnäckigen Dreckspuren wegzuputzen, macht nämlich weniger Freude.

Die Dänen machen ein Fass auf

Foto: Stig Alenas/Shutterstock.com

Faschingskrapfen werden in Dänemark keine verputzt, stattdessen kann man sich in der närrischen Zeit mit „Fastelavnsboller“ den Bauch vollschlagen. Das süße Hefegebäck wird mit Vanillecreme oder Marzipan gefüllt und schmeckt so gut, dass man von einem nicht genug hat. Hat man sich erst einmal mit dem sündigen Süßkram gestärkt, kann man seine Energie an einem Holzfass auslassen, das mit einem Prügel bearbeitet werden muss. Hä? Ja, richtig gelesen: Zur dänischen Karnevalstradition gehört es dazu, ein mit Süßigkeiten gefülltes Holzfass so lange zu verdreschen, bis es zerbricht und seinen zuckrigen Inhalt über einen ergießt. Übrigens: Wer es schafft, das Fass zum Bersten zu bringen, darf sich „Kattekong“ (Katzenkönig) oder „Kattedronning“ (Katzenkönigin) nennen. Aber was hat das bitte mit einer Katze zu tun? Ganz einfach: In früheren Zeiten saß tatsächlich eine echte Katze in dem Fass – wer sie befreite, verjagte gleichzeitig auch das Böse und war ein Jahr lang von Steuern befreit.

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