Eine kurze Geschichte der Gleichberechtigung

In Österreich sind Frauen und Männer vom Gesetz her gleichberechtigt. Das war aber nicht immer so! TOPIC hat für euch ein paar wichtige Punkte zu dem Thema zusammengestellt.

Foto: StunningArt/Shutterstock.com

Was ist Gleichberechtigung?

Gleichberechtigung bedeutet, dass Frauen und Männer die gleichen Rechte haben. Zum Beispiel dürfen sie wählen und gewählt werden. Beide haben ein Recht auf Bildung und gleichen Zugang zu Schulen und Universitäten. Frauen wie Männer dürfen arbeiten gehen und ihren Beruf selbst wählen. Sie müssen dabei einen Mindestlohn für ihre Arbeit erhalten. Frauen und Männer dürfen selbst entscheiden, ob sie heiraten, wen sie heiraten oder mit wem sie zusammenleben. Es ist auch erlaubt, dass Frauen mit Frauen und Männer mit Männern leben.

Wie war das früher?

Lange Zeit hatten in Österreich Frauen aber weniger Rechte als Männer. Sie durften nicht zur Schule gehen oder studieren, viele Berufe nicht ausüben und durften auch nicht wählen. Zu Hause hatte der Mann das Sagen. Lange Zeit kämpfte vor allem die Frauenbewegung für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. 1979 war es dann so weit, dass das Gleichbehandlungsgesetz in Österreich in Kraft trat.

Brauchen Frauen mehr Rechte?

Dass Frauen gleichberechtigt sind, bedeutet übrigens nicht nur gleiches Recht für alle, sondern noch mehr. Manchmal brauchen Frauen nämlich besondere Rechte und besonderen Schutz (zB Mutterschutz, Schutz vor häuslicher Gewalt ...). Eine Zusammenstellung der gesetzlichen Bestimmungen, die besonders für Frauen wichtig sind, findet ihr HIER.

Funktioniert die Gleichberechtigung wirklich?

Trotz alledem gibt es auch heute noch Ungerechtigkeiten und die Gleichstellung von Männern und Frauen ist im Alltag nicht selbstverständlich, auch wenn sie in der Verfassung garantiert ist. Einer der wichtigsten Punkte in dieser Hinsicht ist der immer noch große Unterschied zwischen den Einkommen bei Männern und Frauen, was man als „Gender-Pay-Gap“ (Geschlechter-Einkommenslücke) bezeichnet. So verdienen Frauen in Österreich durchschnittlich rund 16 Prozent weniger als Männer für die selbe Arbeit. Damit liegt Österreich im EU-Vergleich deutlich über dem Durchschnitt und hat Nachholbedarf in Sachen finanzieller Gleichberechtigung. Eine genaue Statistik zum Verhältnis Männer/Frauen in der Arbeitswelt Österreichs findet ihr bei Statisik Austria.

Kurze Geschichte

1918: Das Wahlrecht für Frauen wurde eingeführt.
1927: Olga Rudel-Zeynek wurde erste Vorsitzende einer parlamentarischen Kammer weltweit, und zwar des österreichischen Bundesrats.
1948: erste österreichische Bürgermeisterin: Kreszenzia Hölzl in Gloggnitz, NÖ
1975: Der Schwangerschaftsabbruch (Abtreibung) bis zum 3. Monat wurde unter Straffreiheit gestellt und Frauen durften ohne Zustimmung des Mannes arbeiten.
1979: Das Gleichbehandlungsgesetz trat in Kraft.
1989: Die Vergewaltigung in der Ehe wurde als strafbar erklärt.
1990: erste Frauenministerin: Johanna Aloisia Dohnal
1990: Einführung der Väterkarenz
1997: Frauenvolksbegehren unter anderem mit folgenden Zielen: gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit, Recht für jede und jeden auf Vereinbarung von Beruf und Familie, Unterstützung von Alleinerziehenden, Recht auf Grundpension
2006: erste Präsidentin des Nationalrats: Barbara Prammer
2019: erste Bundeskanzlerin Österreichs: Brigitte Bierlein

Was heißt ...?

Frauenbewegung: weltweite Bewegung, die sich für die Gleichberechtigung von Frauen in Staat und Gesellschaft einsetzt
Gleichbehandlungsgesetz: Das Bundesgesetz regelt die Gleichbehandlung in Österreich.
Mutterschutz: Summe gesetzlicher Vorschriften zum Schutz von Mutter und Kind vor und nach der Entbindung
Verfassung: Gesamtheit der Grundsätze, die die Form eines Staates und die Rechte und Pflichten seiner Bürger festlegen

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