Ein Tag im Leben eines Straßenkindes

Weltweit leben knapp 100 Millionen Kinder auf der Straße: Wie es sich anfühlt, ohne Dach über dem Kopf aufzuwachsen, ist schwer vorstellbar. Mit der Aktion „Straßenkind für einen Tag“ soll ein Sichtwechsel möglich gemacht werden.

Foto: Roman Bodnarchuk/Shutterstock.com

Kennst du diese Tage, an denen du schlecht drauf bist? Weil der Wecker viel zu früh klingelt, weil dir ein schwieriger Test blüht oder weil deine Eltern sich mal wieder streiten. Nervt voll, oder?

Von diesen „miesen“ Tagen können ganz viele Mädchen und Burschen nur träumen: Weltweit leben nämlich knapp 100 Millionen Kinder auf der Straße. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Manche Kinder haben ihre Familie im Krieg verloren, andere sind von zu Hause weggelaufen, weil sie von ihren Eltern geschlagen wurden. Und es gibt auch Kinder, die ihr Daheim verloren haben, weil sie schlichtweg zu „teuer“ waren. Nein – nicht, weil sie Sneakers oder Smartphones wollten, sondern weil sie hungrig waren und kein Geld für regelmäßige Mahlzeiten aufzutreiben war.

Gerade in Ländern, in denen die Bevölkerung unter Armut leidet, ist die Zahl der Straßenkinder groß: So müssen allein in Indien 20 Millionen Kinder ohne Dach über dem Kopf groß werden. Aber auch in Brasilien oder Südafrika sind Straßenkinder leider normal: Vor allem in anonymen Großstädten wie Rio de Janeiro oder Johannesburg gehören sie zum Stadtbild. 

Gefährliches und anstrengendes Leben

Das Leben auf der Straße ist nicht nur gefährlich, es ist auch sehr anstrengend. Um sich ihr Essen leisten zu können, müssen die Kinder nämlich alle möglichen Jobs annehmen: Anstatt in die Schule zu gehen, putzen sie also Schuhe, waschen Autos, verkaufen Zeitungen oder Krimskrams und im schlimmsten Fall sogar den eigenen Körper – reich werden sie davon aber nicht. Das Geld reicht nur für das Nötigste. Manchmal kaufen sich die Kids davon auch Drogen, mit denen sie sich betäuben, um ihr trauriges Schicksal zu vergessen. Nachts schlafen sie unter Brücken, auf Bahnhöfen oder auf dem Gehsteig – die Angst, ausgeraubt zu werden, sitzt ihnen dabei im Nacken.

Die Seite wechseln

Wie es sich anfühlt, ein Straßenkind zu sein, ist schwer vorstellbar. Deshalb hat das im Jahr 1960 gegründete Kinderhilfswerk „Terre des Hommes“ (französisch für „Erde der Menschen“) vor einigen Jahren die Aktion „Sichtwechsel: Straßenkind für einen Tag“ ins Leben gerufen. Dabei verrichten Schüler – begleitet von Erwachsenen – einen Tag lang jene Arbeiten, mit denen sich Straßenkinder tagein, tagaus ihr Überleben sichern müssen. Sie erfahren also am eigenen Leib, wie es sich anfühlt, auf der Straße als Schuhputzer oder Zeitungsverkäufer zu arbeiten und wie schwierig es ist, wenn man sich jeden selbst verdienten Cent vom Mund absparen muss. Weil die Aktion im öffentlichen Raum stattfindet, werden nicht nur die teilnehmenden Schüler, sondern auch jede Menge Passanten auf das Schicksal der Straßenkinder aufmerksam gemacht. Obendrein kommen die gesammelten Spenden Straßenkinder-Projekten zugute, die von „Terre des Hommes“ unterstützt werden. Vorläufig gibt es diese Aktion, für die sich Schulen das ganze Jahr anmelden können, allerdings nur in Deutschland, wie Maria Obermeyer von „Terre des Hommes“ erklärt. „Wir hätten aber nichts dagegen, wenn solche Aktionstage auch in Österreich organisiert werden würden“, sagt Obermeyer.

Wenn am 31. Jänner der „Tag der Straßenkinder“ im Kalender steht, dann gibt es aber auch hierzulande etliche Aktionen, die an die schwierigen Lebensumstände dieser vom Schicksal benachteiligten Kinder erinnern: Im Vorjahr fand am Stephansplatz in Wien etwa eine groß angelegte Schuhputzaktion statt, deren Erlös in Hilfsprojekte floss. Organisiert wurde die Aktion vom Verein „Jugend Eine Welt“, der sich in zahllosen Projekten für Straßenkinder stark macht.

Das könnte dich auch interessieren!

Kleiderschrank der Zukunft
TOPIC+
Dieser Beitrag passt zu...
TOPIC Jänner 2020, S. 12,13

Kleiderschrank der Zukunft

Vorgelesen: Hundert Prozent
Hör hin
Diese Hörgeschichte passt...
TOPIC Jänner 2020, S. 36,37

Vorgelesen: Hundert Prozent

Die coolsten Tiertricks für den Winter
TOPIC+
Dieser Beitrag passt zu...
TOPIC Jänner 2020, S. 8,9

Die coolsten Tiertricks für den Winter