TOPIC Plus, Oktober 2022

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Hier findest du Informationen zum Treibhauseffekt und einen TOPIC-Artikel über Europas Abhängigkeit von russischem Gas.

Foto: Victoria Viper B/Shutterstock.com

Lange Leitung, große Macht

Ein Text auf dem Mai-TOPIC von Stefan Melichar.

Österreich ist stark von Erdgas aus Russland abhängig. Durch den Krieg in der Ukraine wird das zum Problem.

Es ist über Jahrmillionen entstanden, steckt tief unter der Erde, wird herausgeholt und Tausende Kilometer weit transportiert. Sollte es plötzlich nicht mehr fließen, würden in vielen Wohnungen die Heizung, das Wasser oder der Herd kalt bleiben. Fast eine Million Haushalte in Österreich nutzen Erdgas. Das sind mehr als zwei Millionen Menschen – etwa ein Viertel der Bevölkerung. Außerdem sorgt Gas dafür, dass Fabriken laufen und Gaskraftwerke weiterhin Strom produzieren. Bisher ging das immer reibungslos – doch nun gibt es ein Problem.

Der allergrößte Teil des Gases, das in Österreich verwendet wird, kommt aus Russland. Das Gas wird über lange Leitungen – sogenannte Pipelines – transportiert. Jene Pipeline, die direkt in Österreich ankommt, geht durch die Ukraine, wo Russland seit Februar Krieg führt. Dass durch die Kämpfe die Lieferungen unterbrochen werden könnten, ist nur eine von mehreren Sorgen. Die Hauptfrage ist, ob Russland die Gaslieferungen einfach stoppt.

Putin sitzt am Gas-Hahn
Österreich und andere europäische Länder bestrafen Russland wegen des Angriffs auf die Ukraine mit wirtschaftlichen Einschränkungen, auch „Sanktionen“ genannt. Diese sollen erreichen, dass russische Unternehmen weniger Geschäfte machen, reiche Menschen weniger Luxus genießen können, viele Dinge teurer werden und der Staat weniger Geld hat, um Krieg zu führen. Damit soll Druck auf Präsident Wladimir Putin gemacht werden.

Putin könnte versuchen, sich dagegen zu wehren und Gegendruck auszuüben. Eine Möglichkeit ist, die Gaslieferungen in den Westen zu stoppen. Davon wäre nicht nur Österreich betroffen, sondern auch viele andere europäische Staaten, die ebenfalls viel russisches Erdgas beziehen. Zwar sind kurzfristig ausreichende Mengen in großen Speichern gelagert. Spätestens im kommenden Winter würden diese aber nicht mehr ausreichen. In Österreich ist die Abhängigkeit besonders groß: Rund 80 Prozent des Gases, das hierzulande verwendet wird, kommen aus Russland. Das hat sich in den vergangenen Jahren so entwickelt, weil die Gasquellen in Österreich nicht mehr ergiebig genug waren und keine Pipelines in andere Länder außer Russland gebaut wurden.

Der Autor: Stefan Melichar ist Journalist beim Nachrichtenmagazin „profil“.

Österreich war zufrieden damit, ein besonders gutes Verhältnis zur russischen Führung zu haben. Dabei drückten die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft immer wieder ein Auge zu, wenn Putin die Ukraine oder andere Nachbarstaaten unter Druck setzte. Schließlich wollte man die Wirtschaftsbeziehungen und die Gaslieferungen nicht gefährden. Jetzt führt der russische Präsident offen Krieg – und Österreich steckt in einem Dilemma: Dreht Moskau den Gashahn zu, ist man erpressbar. Österreich kann von sich aus gar nicht darauf verzichten. Lässt Russland das Gas jedoch weiterfließen, muss Österreich dafür bezahlen und gibt Putin auf diese Weise Geld, um Krieg zu führen. So ist das auch derzeit. Russland liefert weiterhin wie vereinbart. Putin würde sonst eine wichtige Einnahmequelle wegfallen, was er momentan offenbar nicht riskieren will. Darauf verlassen kann man sich aber nicht.

Suche nach Alternativen
Die österreichische Regierung versucht nun, andere Lieferanten für Erdgas zu finden. Eine Möglichkeit sind Länder aus dem arabischen Raum. Auch dort gibt es allerdings Bedenken, was die Einhaltung von Menschenrechten betrifft. Ein weiteres Thema ist der Transport. Gas lässt sich nicht nur durch Pipelines pumpen. Man kann es so stark abkühlen, dass es flüssig wird. Der englische Begriff dafür lautet „liquified natural gas“ und wird mit „LNG“ abgekürzt. LNG kann mit riesigen Tankschiffen über das Meer transportiert werden. Ein großer Hersteller sind die USA. Dass diese schnell ganz Europa versorgen könnten, ist aber nicht möglich. Außerdem wäre dieses Gas viel teurer.

Eine echte Lösung des Problems gibt es nur, wenn möglichst wenig Gas verbraucht wird. Österreich und Europa möchten ohnehin das Klima schützen und weniger Öl und Gas verbrennen. Strom könnte noch stärker mit Wasserkraft, Windrädern und Solarzellen produziert werden. Auch die Vorteile _Mai 2022 11 der Atomkraft werden aktuell wieder diskutiert. Häuser könnten geheizt werden, indem man zum Beispiel tief in die Erde bohrt. Dort ist es wärmer und diese Wärme lässt sich nach oben leiten. Diese Umstellung auf klimafreundlichere Energieformen könnte man nun beschleunigen. Trotzdem braucht das Zeit. Kurzfristig kann es sogar dazu kommen, dass statt Gas wieder mehr Öl und Kohle verbrannt wird. Das wäre dann noch schlechter für die Umwelt.

Der Autor: Stefan Melichar ist Journalist beim Nachrichtenmagazin „profil“.

Was ist der Treibhauseffekt?

Videoquelle: Umweltbundesamt

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