
REIMEREI – März 2026
Goethes Faust für Einsteiger
Das wohl bedeutendste und berühmteste Theaterstück in deutscher Sprache heißt „Faust“. Und nein, es handelt nicht von einem Boxkampf. Die Geschichte spielt im späten Mittelalter und ist spannender, als du vielleicht denkst. Hier die Handlung in sechs Kapiteln.

1. Der unglückliche Gelehrte
Dr. Heinrich Faust ist ein hochgebildeter Gelehrter. Trotzdem ist er unzufrieden und gelangweilt. Bücher, Wissen und Arbeit machen ihn nicht glücklich.
„Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor.“
2. Der teuflische Handel
Faust trifft Mephisto, den Teufel. Der bietet ihm einen Pakt an: Er wird ihm helfen, das wahre Leben zu finden. Der Gegendeal: Wenn Mephisto ihn wirklich so glücklich macht, dass Faust am liebsten die Zeit anhalten würde, gehört seine Seele dem Teufel.
„Werd’ ich zum Augenblicke sagen:
Verweile doch! Du bist so schön!
Dann magst du mich in Fesseln schlagen,
Dann will ich gern zugrunde gehn!“
Faust willigt ein – und beginnt ein gefährliches Abenteuer. Wie wird es wohl ausgehen?
3. Abstieg ins Vergnügen
Mephisto führt Faust in die Welt der niederen Vergnügungen. Zuerst geht es in ein Lokal in Leipzig. Dort feiern Studenten wild, trinken und grölen. Faust bleibt unbeeindruckt.
„Ich tränke gern ein Glas, die Freiheit hoch zu ehren,
Wenn eure Weine nur ein bisschen besser wären.“
Mephisto spielt den Angeber und verzaubert den Wein. Dann bringt Mephisto Faust in die Hexenküche. Dort soll Faust verjüngt werden – damit er wieder attraktiv ist. Die Hexen sprechen das geheimnisvolle Hexeneinmaleins.
„Du musst verstehn!
Aus Eins mach’ Zehn,
Und Zwei lass gehn,
Und Drei mach’ gleich,
So bist du reich.
Verlier die Vier!
Aus Fünf und Sechs,
So sagt die Hex’,
Mach Sieben und Acht,
So ist’s vollbracht:
Und Neun ist Eins,
Und Zehn ist keins.
Das ist das Hexen-Einmaleins!“
In einem Zauberspiegel sieht der junge Faust das Bild einer wunderschönen Frau. Er will sie treffen.
4. Faust und Gretchen – eine tragische Liebe
Faust verliebt sich in Gretchen (Margarete) – ein einfaches, frommes Mädchen. Mephisto hilft ihm, sie zu verführen.
Faust:
„Mein schönes Fräulein, darf ich wagen,
Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?“
Margarete:
„Bin weder Fräulein, weder schön,
Kann ungeleitet nach Hause gehn.“
Doch was als Romanze beginnt, wird zur Tragödie:
Faust gibt Gretchens Mutter ein Schlafpulver, damit er sich ungestört mit Gretchen treffen kann. Die Mutter stirbt an dem Mittel.
Gretchen wird schwanger.
Faust duelliert sich mit Gretchens Bruder Valentin und tötet ihn im Duell.
Gretchen ertränkt in Verzweiflung ihr neugeborenes Kind.
Margarete:
„Meine Ruh’ ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.“
Gretchen wird gefangen genommen und soll als Kindermörderin hingerichtet werden. Sie ist verwirrt, betet – und erkennt ihre Schuld.
5. Der letzte Versuch
Faust will Gretchen retten. Mephisto führt ihn ins Gefängnis. Doch Gretchen weigert sich zu fliehen – sie vertraut auf Gottes Urteil.
Margarete: „Heinrich! Mir graut’s vor dir.“
Mephisto: „Sie ist gerichtet!“
Stimme von oben: „Ist gerettet!“
Trotz aller Schuld findet Gretchen am Ende Erlösung – durch Reue und Glauben.
6. Was bleibt am Ende?
Faust hat fast alles erlebt – Rausch, Magie, Liebe. Doch das Glück, das ihn sagen lässt „Verweile doch!“, hat er nicht gefunden.
Gretchen aber wird gerettet – weil sie ehrlich bereut.
Diskutiert in der Klasse
Stell dir vor, Faust lebt heute.
➡️ Was würde ihn unzufrieden machen?
➡️ Was könnte Mephisto ihm versprechen?
Für Literatur-Nerds: Zitate aus „Faust“
Manchmal ist es cool, wenn man einen klugen Satz im richtigen Augenblick zitieren kann.
- „Da steh ich nun, ich armer Tor, / Und bin so klug als wie zuvor.“
Bedeutung: Ich hab so viel gelernt – und weiß trotzdem nicht, was das Leben eigentlich soll.
- „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.“
Bedeutung: Ich bin innerlich zerrissen. Vernunft und Sehnsucht kämpfen in mir.
- „Verweile doch! du bist so schön!“
Bedeutung: Dieser Moment ist so perfekt – ich will, dass er nie vergeht.
- „Ich bin der Geist, der stets verneint.“
Bedeutung: Mephisto beschreibt sich selbst als Kraft der Zerstörung, des Zweifels, des Nein-Sagens.
- „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, / Und grün des Lebens goldner Baum.“
Bedeutung: Wissen allein reicht nicht – das wahre Leben spielt sich außerhalb der Bücher ab.
- „Das also war des Pudels Kern!“
Bedeutung: Mephisto hat sich in die Gestalt eines Pudel verwandelt. Faust erkennt den wahren „Kern“. Er besagt: Jetzt erkenne ich, was wirklich dahintersteckt!

Johann Wolfgang Goethe und Faust
Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) war ein deutscher Dichter, der in der Zeit der Klassik lebte. Er interessierte sich für Natur, Wissenschaft, Kunst und das Leben selbst.
Schon als junger Mann las er Geschichten über einen Doktor Faustus, der mit dem Teufel einen Pakt schließt. Diese alte Sage faszinierte ihn so sehr, dass er begann, ein Theaterstück darüber zu schreiben. Faust wurde für ihn ein Lebensprojekt – er überarbeitete es immer wieder, solange er lebte.
Der erste Teil (Faust I) wurde 1808 veröffentlicht und wurde bald sehr bekannt. Es gilt heute als eines der größten Werke der deutschen Literatur – weil es zeitlose Fragen stellt, die auch Jugendliche heute noch berühren können.
Faust. Der Tragödie zweiter Teil wurde erst kurz nach Goethes Tod veröffentlicht.
Faust als Kurzvideo
Hast du Lust auf noch mehr Faust? Dann sieh dir dieses kurze Video an, das im Rahmen eines Schulprojekts entstanden ist. Es fasst die Geschichte in zweieinhalb Minuten zusammen.


