Lyrik, das sind doch nur alte Gedichte? Gereimt, schwer verständlich, aus längst vergangener Zeit? – Nicht im Geringsten!
Lyrik umfasst viel mehr. Auch Songtexte gehören dazu. Im Englischen heißen sie sogar Lyrics. Manche Songwriter gelten heute als große Dichter: Bob Dylan hat für seine Texte sogar den Literaturnobelpreis bekommen – die höchste Auszeichnung in der Literatur.
Das zeigt: Musiktexte sind Poesie. Sie drücken Gefühle, Gedanken und Stimmungen aus. Auch der österreichische Popsänger Julian le Play erzählt in seinen Songs Geschichten, die viele Jugendliche betreffen.
Im Folgenden findest du zwei seiner Texte: „Kind sein“ und „Wir haben noch das ganze Leben“. Lies sie aufmerksam – und entdecke, wie viel Poesie in Popsongs steckt.

Julian le Play ist ein österreichischer Pop-Sänger, dessen Songtexte von den Höhen und Tiefen des Lebens erzählen.Foto: Florian Moshammer
Kind sein
Als ich noch klein war, wollt ich immer zu den Großen zähln.
Jetzt bin ich groß, ich will die Welt nochmal als Kind erleben.
Ich will zurück aufs Karussell –
hier geht mir alles viel zu schnell.
Ich hatte ein Zuhaus, war höchstens mal am Kinderspielplatz.
Muss in die Welt hinaus, da hab ich nicht mal mehr zum Spieln Platz.
Stecke fest in einem Korsett,
lauf vor Entscheidungen weg.
Bis ich weiß, wer ich bin,
bis ich weiß, wohin,
dass meine Liebe nicht fortgeht,
mein Herz am richtigen Ort schlägt
und dass ich noch von Zeit zu Zeit
Kind sein will.
Manche Freunde haben jetzt schon ihre Frau fürs Leben,
ich bin noch jung, ich kann die Fraun noch immer nicht verstehn.
Bin vielleicht noch nicht Mann genug,
manchmal noch wie ein kleiner Bub.
Ich wollte immer schon die ganze Welt mit Zelt bereisen.
Wo ich dann bleib, wird sich am Ende schon zeigen.
Und trotzdem bleib ich jetzt zuhaus,
pack meine Playstation aus.
Bis ich weiß, wer ich bin,
bis ich weiß, wohin,
dass meine Liebe nicht fortgeht,
mein Herz am richtigen Ort schlägt
und dass ich noch von Zeit zu Zeit
Kind sein will.
Und wenn am Ende dann bei mir das Licht ausgeht,
will ich sagen: „Ich hab gelacht und gelebt.“
Doch bis dann hab ich’s noch weit –
gebt mir noch ein bisschen Zeit.
Bis ich weiß, wer ich bin,
bis ich weiß, wohin,
dass meine Liebe nicht fortgeht,
mein Herz am richtigen Ort schlägt
und dass ich dann von Zeit zu Zeit
noch Kind sein will.
Du bist dran!
- Julian le Play verwendet gerne Bilder und Vergleiche (z. B. „stecke fest in einem Korsett“). Finde zwei weitere und erkläre, was sie bedeuten!
- Wie geht es dir mit deinem Erwachsenwerden? Möchtest du auch manchmal zurück in die Kindheit – oder kann es dir gar nicht schnell genug gehen, erwachsen zu werden? Erzählt einander, welche Gefühle im Song „Kind sein“ vorkommen und ob es euch ähnlich ergeht.
- Höre dir jetzt das Lied an (Video unter dem Kasten) und lies den Text mit.
Videoquelle: YouTube/Julian le Play
Songs, die Geschichten erzählen
Julian le Play heißt eigentlich Julian Heidrich und wurde 1991 in Wien geboren. Schon früh hat er begonnen, eigene Lieder zu schreiben – zuerst auf Englisch, bald aber auch auf Deutsch. Er ist vor allem für seine Single „Mein Anker“ aus dem Jahr 2014 bekannt.
Er hat bereits mehrere Alben veröffentlicht: Soweit Sonar (2012), Melodrom (2014), Zugvögel (2016), Tandem (2020), Tabacco (2023) und Le Play Unplugged (2025). Seine Texte erzählen vom Erwachsenwerden, von Träumen, Freundschaft, Liebe und der Suche nach dem eigenen Platz im Leben – Themen, die viele Jugendliche beschäftigen.
Julian le Play gilt als Singer-Songwriter, das heißt: Er schreibt und singt seine Songs selbst. Dabei verbindet er Popmelodien mit nachdenklichen Texten.

Foto: Florian Moshammer
Wir haben noch das ganze Leben
Wir haben noch den ganzen Morgen,
um frühstücken zu gehen.
Das Fenster voller Sorgen,
die uns draußen begegnen.
Wir haben noch die ganze Nacht,
um tanzen zu gehen.
Und ich bleib nächtelang wach,
um dich beim Schlafen zu sehn.
Und ich weiß, dass du bleibst,
bis der Himmel mich dann ruft.
Und ich zeig dir, dass ich bleib,
bis zum letzten Atemzug.
Ich bin noch nicht bereit, noch ist da Zeit,
ich will die Welt mit dir durchsegeln
und am Abend müde sagen:
Wir haben noch das ganze Leben.
Wir haben noch alle unseren Glauben,
keine Angst, wenn sich was tut.
Wir haben noch keine müden Augen,
und wir haben alle unseren Mut.
Wir haben den Rücken voll mit Sorgen
und den Bauch auch voller Wut.
Aber wir glauben noch an morgen –
und jedes Feuer kommt durch Glut.
Und ich weiß, dass du bleibst,
bis der Himmel mich dann ruft.
Und ich zeig dir, dass ich bleib,
bis zum letzten Atemzug.
Ich bin noch nicht bereit, noch ist da Zeit,
ich will die Welt mit dir durchsegeln
und am Abend müde sagen:
Wir haben noch das ganze Leben.
Noch das ganze Leben,
noch das ganze Leben.
Ich hab noch einiges zu geben,
den Himmel voll mit Farben.
Sein Wille wird mich tragen –
noch ein ganzes Leben.
Ich trag dich durch die Jahre,
bis zum letzten meiner Tage –
noch ein ganzes Leben.
Und ich weiß, dass du bleibst,
bis der Himmel mich dann ruft.
Und ich zeig dir, dass ich bleib,
bis zum letzten Atemzug.
Ich bin noch nicht bereit, noch ist da Zeit,
ich will die Welt mit dir durchsegeln
und am Abend müde sagen:
Dass ich weiß, dass du bleibst,
bis der Himmel mich dann ruft.
Und dass ich weiß, dass ich bleib,
bis zum letzten Atemzug.
Ich bin noch nicht bereit, noch ist da Zeit,
ich will die Welt mit dir durchsegeln
und am Abend müde sagen:
Wir haben noch das ganze Leben.
Wir haben noch das ganze Leben.
Diskussion und Schreibaufgabe
Diskutiert zu zweit:
o Achtet auf die Strophen und Refrains. Welche Verszeilen bilden eine Art Refrain?
o Wie findet ihr die Grundhaltung des Songs: optimistisch, besorgt, zuversichtlich, ängstlich – oder ganz anders?
Schreibaufgabe:
o Stell dir vor, du schreibst an eine Freundin oder einen Freund: „Wir haben noch das ganze Leben …“ – um was zu tun? Schreibe deine Träume, Zielsetzungen und Wünsche auf.
Höre dir jetzt das Lied an – du findest das Video unter diesem Kasten.
Videoquelle: YouTube/Julian le Play
Le Play Unplugged
Der fünffache Amadeus-Award-Gewinner Julian le Play hat sich 2026 auf eine ausgedehnte Unplugged-Tour begeben. Zwei Konzerte liegen noch vor ihm:
18. Juni: Graz (Kasemattenbühne)
4. Juli: Latschach (Burgarena Finkenstein)