NEWS – Juni 2026

Scrollen, posten, streiten

Wie die Plattform Twitter (X) die Welt verändert hat

Foto: Burdun Iliya / Shutterstock.com

Autor: Stephan Scharinger

Als 2006 die ersten kurzen Nachrichten über eine neue Plattform verschickt wurden, war das Ganze eher eine Spielerei als Weltpolitik. Menschen schrieben, was sie gerade taten, oder teilten kleine Witze. Doch aus diesen kurzen „Tweets“ entwickelte sich in den folgenden Jahren etwas viel Größeres: eine digitale Bühne, auf der sich Promis, Journalist*innen, Politiker*innen – aber auch ganz normale Nutzer*innen wie du und ich – direkt begegnen. Heute ist Twitter, das inzwischen X heißt, ein Ort, an dem Diskussionen oft schneller entstehen als im Fernsehen oder in Zeitungen.

Von 140 Zeichen zur Weltbühne

Am Anfang war Twitter fast wie ein öffentliches SMS-System. Eine SMS („Short Message Service“) war eine Form, Textnachrichten über das Handy zu verschicken. Heute nützen die meisten Menschen eher andere Messenger-Dienste über das Internet. 

Die Beiträge durften damals nur 140 Zeichen lang sein. So wurde die Kommunikation extrem kurz und schnell. Gerade das machte den Reiz aus: Wer etwas sagen wollte, musste sich knapp ausdrücken. Einer der ersten Tweets überhaupt kam vom Twitter-Gründer Jack Dorsey und war im Grunde nur ein Test. Mit der Zeit kamen neue Funktionen dazu, etwa Hashtags, mit denen Themen gesammelt werden, oder Retweets, mit denen sich Inhalte rasend schnell verbreiten. Immer mehr Menschen nutzten die Plattform, und sie wurde zunehmend wichtiger, nicht nur für private Nachrichten, sondern auch für Öffentlichkeit und Politik.

Dein eigener Tweet

Schreibe einen Tweet mit maximal 140 Zeichen zu einem Thema deiner Wahl (z. B. Schule, Freizeit, Politik, Humor). Du kannst auch Hashtags (#) verwenden. Stellt euch eure Tweets gegenseitig vor. Auf welchen Tweet würdest du gerne antworten, warum und wie? 

Wenn ein Tweet um die Welt geht

Einige Tweets haben für riesiges Aufsehen gesorgt. Als etwa die Nachricht über den Tod von Osama bin Laden auch über Twitter verbreitet wurde, zeigte sich, wie schnell politische Informationen um die Welt reisen können. Beim sogenannten Arabischen Frühling nutzten Aktivist*innen die Plattform, um Proteste zu organisieren und Informationen zu teilen. Twitter war damals sehr wichtig, weil die Plattform von Machthabern oft nicht kontrolliert werden konnte. 

Aber nicht nur Politik prägt Twitter: Ein berühmtes Beispiel ist das Oscar-Selfie von Ellen DeGeneres, das millionenfach geteilt wurde und zeigte, wie stark auch die Unterhaltung auf der Plattform funktioniert. Außerdem nutzen Aktivistinnen wie Greta Thunberg Twitter, um ihre Botschaften weltweit zu verbreiten. Gleichzeitig kann die Dynamik der Plattform auch ziemlich schräg werden: Ein einzelnes Wort wie „covfefe“, das Donald Trump einmal twitterte (und das überhaupt keine Bedeutung hat), sorgte für Verwirrung und wurde zum Internetphänomen. All diese Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Tweets wirken können – informativ, mobilisierend oder einfach nur viral.

Wenn Tweets Geschichte schreiben

Im Text werden mehrere bekannte Beispiele genannt (Arabischer Frühling, Oscar-Selfie von Ellen DeGeneres, Osama Bin Laden, Greta Thunberg).
Arbeitet in kleinen Gruppen. Wählt zwei Beispiele aus und findet Antworten auf die folgenden Fragen:

  • Was ist damals passiert?
  • Warum war Twitter/X dabei wichtig?
  • Welche Wirkung hatte der Tweet oder das Ereignis?
  • Vergleicht eure Ergebnisse in der Klasse.

Hier findest du Lösungsvorschläge.

Neustart, Streit und ein eigenes Netzwerk

Spätestens mit Donald Trump wurde deutlich, wie eng Twitter und Politik zusammenhängen können. Während seiner ersten vier Jahre als US-Präsident nutzte er die Plattform intensiv, oft mehrmals täglich. Er kündigte dort Entscheidungen an, griff seine politischen Gegner an und kommunizierte direkt mit Millionen Menschen. Deshalb wurde er oft als „Twitter-Präsident“ bezeichnet. Nach dem Sturm auf das Kapitol 2021, als Trump und seine Anhänger den eigenen Machtverlust nicht akzeptierten wollten, wurde sein Account jedoch gesperrt, was weltweit Diskussionen auslöste: Wie viel Macht haben soziale Netzwerke über öffentliche Meinungen? Und wie viel Macht sollen sie haben dürfen?

„Stoppt den Betrug“ schrieb Donald Trump immer wieder auf Twitter und behauptete, dass die US-Präsidentschaftswahl 2020 gefälscht worden sei. Anfang 2021 wurde sein Twitter-Profil gesperrt.
„Stoppt den Betrug“ schrieb Donald Trump immer wieder auf Twitter und behauptete, dass die US-Präsidentschaftswahl 2020 gefälscht worden sei. Anfang 2021 wurde sein Twitter-Profil gesperrt.Foto: Ascannio / Shutterstock.com

Trump zog daraus seine Konsequenzen und gründete mit „Truth Social“ eine eigene Plattform, die er bis heute bevorzugt nutzt. Zwar wurde sein Account auf X später wieder freigeschaltet, doch seine Hauptkommunikation läuft weiterhin über das eigene Netzwerk. Dort muss er nicht fürchten, wieder gesperrt zu werden.

Parallel dazu veränderte sich auch Twitter selbst stark: 2022 kaufte der Unternehmer und reichste Mensch der Welt, Elon Musk, die Plattform, benannte sie in X um und führte neue Regeln ein. Manche feiern diese Veränderungen als mehr Freiheit, andere kritisieren sie, weil sich Hass und Falschinformationen nun viel leichter verbreiten können. Hier zeigt sich eines der größten Probleme von Sozialen Medien: Auf X werden viele Informationen ungeprüft und ohne klare Einordnung verbreitet, während Journalist*innen, die für klassische Medien wie zum Beispiel Zeitungen arbeiten, Fakten sorgfältig recherchieren und überprüfen.

Zwanzig Jahre nach seiner Gründung ist uns klar geworden: Aus einer einfachen Idee ist ein mächtiges Werkzeug geworden, das Politik, Medien und unseren Alltag beeinflusst. Die Geschichte von Twitter zeigt deutlich, wie eng soziale Medien und Macht heute zusammenhängen. Wer heute durch seinen Feed scrollt, sieht also nicht nur Posts, sondern oft auch ein Stück Zeitgeschichte.

Jugend-Internet-Monitor 2026

Saferinternet.at untersucht, welche sozialen Netzwerke bei Jugendlichen in Österreich beliebt sind. Schaut euch die Statistik an und besprecht folgende Fragen:

  • Was zeigt die Statistik genau?
  • Welche Gründe könnte es dafür geben, dass so wenige Jugendliche X nutzen?
  • Welche Folgen könnte das für die Plattform haben?
  • Wie viele Jugendliche in eurer Klasse oder in euerem Freundeskreis nützen X?
Foto: saferinternet.at

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