NEWS – November 2026

Vom Game zur Straftat

Du spielst Minecraft, lernst im Chat jemanden kennen und irgendwann sollst du eine Mutprobe machen: Was harmlos beginnt, kann plötzlich ziemlich ernst werden. Denn in sogenannten COM-Netzwerken werden Jugendliche gezielt unter Druck gesetzt – manchmal sogar, um Straftaten zu begehen.

Autor: Stephan Scharinger

Foto: Fabio Principe / Shutterstock.com

Im April 2026 wurden in Neuhofen an der Krems in Oberösterreich bei mehreren Autos die Heckscheiben eingeschlagen. Ein 14-Jähriger gestand die Taten. Das Besondere an dem Fall ist: Der Jugendliche soll nicht allein auf die Idee gekommen sein. Recherchen brachten seine Straftat mit einem internationalen Online-Netzwerk in Verbindung, das als „The COM“ bezeichnet wird.

„COM“ ist eine Abkürzung für „Community“, also Gemeinschaft. Dahinter steckt keine einzelne Organisation mit einem Chef oder einer Zentrale. Vielmehr handelt es sich um ein loses Netzwerk aus verschiedenen Online-Gruppen. Einige davon tragen Namen wie „764“, „CVLT“ oder „Harm Nation“. Inzwischen beschäftigt sich auch die österreichische Polizei mit dem Phänomen und ermittelt gegen diese Gruppen. 

Linktipp

Auf der Website www.bundeskriminalamt.at hat das Bundeskriminalamt viele wichtige Informationen zusammengetragen. Klicke auf den Link, wenn du die Infos der Polizei zu diesem Thema lesen möchtest.

Der erste Kontakt kann dort entstehen, wo viele Kinder und Jugendliche unterwegs sind: in sozialen Netzwerken, auf Gaming-Plattformen wie „Roblox“ oder in Online-Spielen wie „Minecraft“. Das bedeutet natürlich nicht, dass diese Plattformen und Spiele an sich gefährlich sind. Sie können aber dazu genutzt werden, mit Jugendlichen in Kontakt zu kommen. Später kann die Kommunikation in private Chats oder auf andere Plattformen wechseln.

Warum macht jemand bei so etwas mit?

Warum sollte ein Jugendlicher auf jemanden hören, den er im Internet kennengelernt hat, und für ihn sogar ein Auto beschädigen? Ganz so einfach funktioniert die Sache meistens nicht. Am Anfang kann ein ganz normaler Kontakt stehen: Man spielt gemeinsam, schreibt miteinander und hat vielleicht das Gefühl, einen neuen Freund gefunden zu haben.

Nach und nach können dann aber Forderungen dazukommen. Eine erste Aufgabe wirkt vielleicht noch wie eine harmlose Mutprobe. Wer mitmacht, bekommt Anerkennung und kann innerhalb einer Gruppe an Ansehen gewinnen. Die nächste Aufgabe geht dann vielleicht schon einen Schritt weiter. Forschende sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer „Gamification“ von Gewalt: Ähnlich wie in einem Spiel können Aufgaben, Anerkennung und Status dazu führen, dass immer neue Grenzen überschritten werden.

Doch nicht immer geht es nur um Anerkennung. Manche Jugendliche werden massiv unter Druck gesetzt oder erpresst. Täter können zunächst Vertrauen aufbauen und persönliche Informationen, Fotos oder Videos sammeln. Später drohen sie dann damit, diese zu veröffentlichen. Die Jugendlichen können auf diese Weise erpresst und zu Taten gedrängt werden, die sie sonst nicht begehen würden. So kann aus einem freiwilligen Kontakt eine Situation entstehen, aus der die Betroffenen nur schwer wieder herauskommen.

Wie funktioniert die Manipulation?

Lies den Text noch einmal genau durch. Bringe die Schritte in eine sinnvolle Reihenfolge.

☐ Anerkennung für die erste Aufgabe geben
☐ Zu einer Straftat drängen
☐ Kontakt herstellen
☐ Eine erste Aufgabe stellen
☐ Vertrauen gewinnen

Hier geht es zur Lösung.

Was als harmloser Chat beginnt, kann mit Forderungen und Drohungen enden.
Was als harmloser Chat beginnt, kann mit Forderungen und Drohungen enden.Foto: SB Arts Media / Shutterstock.com

Wenn die Online-Welt reale Folgen hat

Vandalismus, zum Beispiel das Beschädigen von Autos, ist dabei nur ein Teil des Problems. Ermittlungen in verschiedenen Ländern zeigen, dass Jugendliche in solchen Netzwerken auch zu Gewalt gegen andere Menschen, zu Tierquälerei oder Selbstverletzungen gedrängt wurden. In manchen Fällen geht es auch um sexualisierte Gewalt und Erpressung. Besonders beunruhigend ist, dass die Täter nicht unbedingt Erwachsene sein müssen. Auch Jugendliche können andere Jugendliche manipulieren. Manche Fälle zeigen sogar, dass jene Personen, die zunächst selbst Opfer waren, später andere unter Druck gesetzt haben.

Deshalb warnen Behörden in mehreren Ländern vor solchen Netzwerken. Auch das österreichische Bundeskriminalamt beschäftigt sich mit „The COM“. Trotzdem ist es wichtig, keine unnötige Panik zu bekommen. Niemand weiß genau, wie viele Jugendliche tatsächlich Teil solcher Gruppen sind oder von ihnen kontaktiert werden. Und wer „Minecraft“, „Roblox“ oder andere Online-Games spielt, gerät natürlich nicht automatisch in ein kriminelles Netzwerk.

Wichtig ist, Warnsignale zu erkennen. Sei vorsichtig, wenn jemand von dir verlangt,

  • euren Kontakt geheim zu halten,
  • persönliche Bilder oder Videos zu schicken,
  • als „Beweis“ für eine Freundschaft bestimmte Aufgaben zu erfüllen,
  • dir selbst oder anderen zu schaden
  • oder etwas Verbotenes zu tun.

Besonders ernst solltest du es nehmen, wenn dich jemand unter Druck setzt, bedroht oder erpresst. Dann solltest du den Kontakt abbrechen und mit einer Person sprechen, der du vertraust – zum Beispiel mit deinen Eltern, einer Lehrerin oder einem Lehrer. Denn ein echter Freund oder eine echte Freundin verlangt nicht von dir, dass du dir selbst oder anderen schadest!

Diskutiert in der Klasse

Der Account der ZIB („Zeit im Bild“, Nachrichten im ORF) hat Anfang Juli 2026 ein kurzes Video auf TikTok zum Thema gestaltet. Schaut es euch an unter www.tiktok.com/@zeitimbild/. Vergleicht es mit dem Artikel: Welche Informationen kommen in beiden vor? Was wird im Video anders dargestellt oder zusätzlich gezeigt? Überlegt gemeinsam, ob der Beitrag eher sachlich informiert, warnt oder schockieren will. Begründet eure Einschätzung mit Beispielen.

Was würdest du tun?

Stell dir vor, du bekommst folgende Nachricht: „Wenn du wirklich zu uns gehören willst, beweis es. Beschädige ein Straßenschild und schick uns ein Foto davon. Aber sag niemandem etwas.“
Überlegt nun gemeinsam: Welche Warnsignale erkennt ihr? Wie würdet ihr reagieren? Nennt drei konkrete Schritte, die ihr jetzt setzen würdet.

Hier findest du eine mögliche Lösung.

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