Autor: Stephan Scharinger
NEWS – Februar 2026
Talent kennt kein Geschlecht!
Ein Blick auf die Geschichte der Nobelpreise zeigt: Frauen sind bis heute stark unterrepräsentiert. Warum das so ist und welche österreichischen Top-Forscherinnen du kennen solltest, liest du hier.

Keine Chancengleichheit in der Wissenschaft
Stell dir vor, du würdest eines Tages eine Entdeckung machen, die die Welt verändert – zum Beispiel ein neues Medikament, eine völlig neue Art von Energie oder eine Methode, Krankheiten zu heilen. Für solche Leistungen werden jedes Jahr die Nobelpreise vergeben, die wichtigsten Auszeichnungen für Wissenschaft, Literatur und Frieden.
Doch wenn man auf die lange Geschichte dieser Preise schaut, fällt etwas auf: Seit mehr als 120 Jahren wurden über 900 Nobelpreise vergeben, aber nur rund 70 davon an Frauen. Das sind weniger als 7 Prozent. Warum ist das so? Sind Frauen etwa weniger klug? Natürlich nicht! Das Problem liegt nicht bei den Frauen – sondern in der Art, wie Wissenschaft über lange Zeit organisiert war. Um das zu verstehen, müssen wir zurückblicken und fragen, welche Hindernisse Frauen bisher in der Wissenschaft überwinden mussten.
Über viele Jahrzehnte durften Frauen in vielen Ländern gar nicht studieren oder nur bestimmte Berufe ergreifen. Wer aber keinen Zugang zu Universitäten, Laboren oder Forschungsprojekten hat, kann auch keine großen Entdeckungen machen – und damit auch keine Preise gewinnen. Das hat nichts mit Talent zu tun, sondern damit, dass Frauen oft einfach nicht die gleichen Chancen bekamen.
Dazu kommt, dass Mädchen und Frauen sehr lange mit bestimmten Erwartungen konfrontiert waren. Viele von ihnen hörten schon in der Schule, dass Mathematik, Technik oder Physik angeblich „Männerfächer“ seien. Wenn man so etwas oft genug hört, fängt man an, es zu glauben – und manche trauten sich deshalb gar nicht erst zu, in diese Bereiche zu gehen. Gleichzeitig gab es nur wenige Vorbilder, die zeigen konnten, dass Frauen genauso gut forschen, erfinden und entdecken können wie Männer. Ohne sichtbare Beispiele wirken manche Berufe besonders unerreichbar.
Männlich geprägte Strukturen
Auch die Strukturen in der Wissenschaft spielten eine große Rolle. In Universitäten, Forschungseinrichtungen und den Jurys, die die Preise vergaben, saßen über lange Zeit hauptsächlich Männer. Sie förderten oft Menschen, die sie kannten – und das waren meistens andere Männer. Das passierte nicht unbedingt absichtlich, sondern weil viele unbewusst dachten, dass Wissenschaft vor allem eine Männerwelt sei. Solche Vorurteile wirken stark, auch wenn niemand sie offen ausspricht.
Und selbst heute ist noch nicht alles ganz fair verteilt. Frauen haben in vielen Bereichen aufgeholt, aber ihre Bedingungen unterscheiden sich teilweise immer noch.
All diese Faktoren zusammengenommen erklären, warum Frauen bisher so selten einen Nobelpreis erhalten haben. Es liegt nicht an fehlendem Talent, sondern daran, dass die Wege dorthin über viele Jahrzehnte ungleich und ungerecht verteilt waren. Diese Wege ändern sich nur langsam.

Top-Wissenschaftlerinnen in und aus Österreich
Wir haben gesehen, wie viele Hindernisse Frauen in der Wissenschaft lange Zeit hatten. Jetzt stellt sich die Frage: Wie sieht es heute aus? Zum Glück hat sich einiges geändert. Immer mehr Frauen forschen an Universitäten und arbeiten an wichtigen Projekten – auch in Österreich. Ihre wissenschaftlichen Spitzenleistungen haben nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern mit Neugier, Mut und der Freude am Entdecken.

Gen-Schere aus dem Wiener Labor
Emmanuelle Charpentier ist eine französische Mikrobiologin, die 2020 den Nobelpreis für Chemie bekommen hat. Zusammen mit Jennifer Doudna hat sie eine Methode entwickelt, mit der man DNA gezielt „zerschneiden“ und verändern kann – die berühmte CRISPR-Cas9-Genschere. Diese Technik wird heute weltweit erforscht, zum Beispiel um Erbkrankheiten besser zu verstehen oder Pflanzen widerstandsfähiger zu machen.
Ein wichtiger Teil dieser Entdeckung hat mit Wien zu tun: Zwischen 2002 und 2009 leitete Charpentier an der Universität Wien bzw. den Max Perutz Labs ihre eigene Forschungsgruppe. Dort legte sie die Grundlagen für ihre späteren Arbeiten zur Genschere – also genau hier, in Österreich.

Forscherin für Gletscher, Berge und Klima
Andrea Fischer ist eine österreichische Glaziologin, also eine Wissenschaftlerin, die Gletscher und Gebirge erforscht. Sie studierte Physik und Umweltwissenschaften in Graz. Später forschte sie an der Universität Innsbruck, nun arbeitet sie seit vielen Jahren am Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung (IGF) der Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Heute ist sie dort als stellvertretende Institutsleiterin und zählt zu den führenden Klimaforscherinnen Österreichs.
Ihre Forschung konzentriert sich darauf, wie Gletscher auf den Klimawandel reagieren, wie sich Berge und Eislandschaften verändern – und was das für die Umwelt, den Wasserhaushalt und uns Menschen bedeutet. In einem Interview sagte sie einmal über ihre Arbeit und ihre Motivation: „Wenn dich etwas interessiert und du brennst dafür, dann mach es. Mach es einfach.“
Dieses Zitat zeigt: Für Andrea Fischer geht es nicht nur um Zahlen oder Daten — sie will mit ihrer Forschung etwas bewegen und ein Zeichen setzen, gerade in Bezug auf Klimaschutz und gesellschaftliche Verantwortung. Dabei ist das Geschlecht völlig egal: Jede und jeder von uns kann Top-Leistungen erbringen, wenn wir uns für ein Thema richtig begeistern.
Ein ausführliches Interview mit Andrea Fischer findest du in deinem Jänner-TOPIC!
Jetzt bist du dran!
Was macht die Gletscherforscherin Andrea Fischer? Schau dir dazu das Video „Wissenschaftlerin des Jahres 2023“ auf Youtube an unter www.youtube.com/shorts/b5Vp7iHFAuY. Fasse die Aussagen von Andrea Fischer in eigenen Sätzen zusammen. Diskutiert in der Klasse, ob euch die Wissenschaft der Gletscherforschung auch interessieren würde.
Zukunft braucht Neugier – und alle Talente
Sowohl Emmanuelle Charpentier als auch Andrea Fischer zeigen auf ihre Weise, wie selbstverständlich Frauen heute in der Wissenschaft Großes leisten können. Charpentier hat mit ihrer Genschere die Medizin verändert und Fischer erforscht, wie sich unsere Berge und Gletscher durch den Klimawandel verändern. Sie beweisen, dass wissenschaftliche Leidenschaft, Ausdauer und Neugier nichts mit dem Geschlecht zu tun haben.
Ihre Forschung ist für unseren Alltag sehr wichtig, und so öffnen sie Jugendlichen Türen in ganz verschiedene Welten der Erkenntnis. Ihre Geschichten zeigen, dass Wissenschaft nicht fern, schwierig oder „nur etwas für bestimmte Menschen“ ist, sondern etwas, das uns alle betrifft und zu dem jede und jeder etwas beitragen kann. Wer neugierig bleibt und sich etwas zutraut, kann die Zukunft mitgestalten – ganz egal, ob im Labor, in den Bergen oder an einem Ort, den wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.
Was hast du dir alles gemerkt?
Lies den Lückentext aufmerksam und setze diese fünf Begriffe gedanklich an der passenden Stelle ein. Vergleiche anschließend dein Ergebnis mit einer Mitschülerin/einem Mitschüler.
Entdeckungen, Männer, Chancen, Vorurteile, Vorbilder
Über viele Jahrzehnte hatten Frauen in der Wissenschaft nicht die gleichen (1) ______________ wie Männer.
In vielen Ländern durften Frauen gar nicht studieren, und ohne Zugang zu Universitäten und Laboren sind große (2) ______________ kaum möglich. Gleichzeitig fehlten weibliche (3) ______________, an denen sich junge Menschen orientieren konnten.
Auch die Strukturen in der Wissenschaft waren lange unfair: In vielen Einrichtungen und Preisjurys saßen fast nur (4) ______________, die unbewusst wieder Männer förderten. Viele (5) ______________ wirkten stark, ohne dass es jemand bemerkte.
Stellt Forscherinnen vor!
Emmanuelle Charpentier und Andrea Fischer sind nur zwei von äußerst vielen Frauen, die erfolgreich in der Wissenschaft sind. Recherchiert in Kleingruppen zu weiteren Top-Forscherinnen und stellt diese euren Mitschüler*innen mit einem Steckbrief-Plakat vor. Tipps: Monika Henzinger, Angela Sessitsch oder Francesca Ferlaino.
Francesca Ferlaino forscht an der Universität Innsbruck zur Experimental- und Quantenphysik. Für ihre Leistungen wurde sie zur österreichischen Wissenschafterin des Jahres 2025 gekürt.


